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PETZE-Institut für Gewaltprävention gGmbH
Stellungnahme zum Fall um Collien Fernandes
Dies ist kein Einzelfall. Auswüchse patriarchaler Gewalt sind keine Einzelfälle.
Wir begrüßen die große und breite Solidaritätswelle, die auf die Veröffentlichung der Gewalt, welche Collien Fernandes durch ihren (Ex-)Partner angetan wurde, folgte – besonders durch Männer aus der Öffentlichkeit. Wir begrüßen auch die zahlreichen Anfragen, die uns im Zuge dieser medialen Aufmerksamkeit erreichen und wir werden es nicht zulassen, dass der Diskurs um Männergewalt und patriarchale Strukturen zu einer Debatte um Migrationspolitik verschoben wird. Der Fall Collien Fernandes hat die Schlagkraft um endlich einen Wandel in unserem Denken voranzutreiben. Diese Kraft lassen wir uns nicht nehmen!
Aber nein – uns überrascht dieser Fall nicht.
Er reiht sich ein in eine lange Liste öffentlich bekannt gewordener Fälle und Dynamiken:
- die Epstein-Akten 1
- Till Lindemann 2
- der Fall Gisèle Pelicot 3
- die Aufdeckung von Männern in Telegram-Gruppen, die gemeinschaftlich Frauen betäuben und vergewaltigen 4
- der Fall Luke Mockridge 5
Doch noch viel mehr reiht sich dieser Fall ein in eine lange Liste von Frauen und Mädchen, die Vergewaltigungsdrohungen und sexistische Kommentare öffentlich machen 6 7
– auch in Schleswig-Holstein – und dabei im besten Fall auf Schweigen treffen und im schlimmsten Fall auf Mechanismen der Täter-Opfer-Umkehr:
- „Das können wir uns bei dem gar nicht vorstellen!“
- „An unserer Schule passiert so etwas nicht!“
- „Das ist doch nur digital!“
- „Das hätte sie sich ja denken können.“
Und diese Sätze wirken – bei Betroffenen und auch bei Kindern und Jugendlichen.
Wissenschaftliche Studien zeigen seit Jahren eine signifikant hohe Betroffenheit durch Männergewalt, insbesondere an Frauen, an Personen queerer Communities, an FLINTA* mit Behinderungen, an migrantisierten FLINTA* und an Kindern 8 9 10 11.
Was uns wütend macht:
- Dass nach den bekannten Fällen immer noch ein Schock durch das Land geht. Dass sich Männer aus der Öffentlichkeit erst jetzt so zahlreich solidarisieren. Dass die Wut über solche medienrelevanten Fälle zu schnell in Vergessenheit gerät. Dass es einen prominenten Skandal braucht, um sichtbar zu machen, worauf unzählige Betroffene seit Jahren hinweisen:
- Die Kämpfe von Frauen, die nach gewaltvollen Beziehungen in Auseinandersetzungen um Sorgerecht und Unterhalt verwickelt werden und Umgangsregelungen aushandeln müssen, während bei Vorliegen patriarchaler Gewalt Umgangsrechte und Familienideale häufig über dem Kinderschutz stehen 12.
- Vielfältige Formen sexualisierter Gewalt 13.
- Sexistische Kommentare und Abwertungen 14.
- Androhungen sexualisierter Gewalt 15.
- Femizide 16.
- Victim Blaming 17.
- Beziehungsgewalt 18.
Es wird längst darauf hingewiesen:
- Sexualisierte Gewalt ist kein Randphänomen – sie ist Ausdruck patriarchaler Machtverhältnisse. Sie fußt auf Besitzansprüchen, Kontrolle, Macht und Demütigung. Digitale Räume verstärken diese Gewalt: Sie schaffen neue Möglichkeiten der Demütigung, der Kontrolle und der Entgrenzung – und machen Gewalt potenziell unendlich reproduzierbar.
- Digitale Gewalt und Gewalt in partnerschaftlichen Beziehungen gehören zusammen 19.
- Rechter Populismus und Antifeminismus verschärfen die Problematik und führen zu mehr Gewalt und Ohnmacht von Betroffenen 20 21.
Als Gesellschaft – und auch im direkten sozialen Umfeld – stehen wir vor grundlegenden Fragen:
- Wie gehen wir mit Tätern um? Sind Distanzierungen ausreichend, um Veränderung zu erreichen?
- Wo schaffen sich Männer Lernräume, in denen sie Verantwortung übernehmen und internalisierte, misogyne und patriarchale Denkmuster reflektieren – ohne dass diese Arbeit von feministischen Fachstellen oder Frauen getragen werden muss?
- Wo organisieren sich Männer selbst, um Gewalt zu reflektieren und zu verändern?
- Wann bringen Männer dieses Thema aktiv auf die Straße?
- Wie und wann werden Männer Macht abgeben?
- Wie gehen wir gegen ein Erstarken von Antifeminismus im Zuge des Rechtsrucks um?
Was es jetzt braucht, ist viel mehr als Empörung, Schock und Solidaritätsbekundungen.
Wie lange wollen wir als Gesellschaft die Kosten patriarchaler Gewalt tragen?22
Die gesundheitlichen Folgen.
Die sozialen Folgen.
Die ökonomischen Folgen.
Wer Prävention gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jungend schwächt, wer feministische Arbeit kürzt, wer Fachstellen die Ressourcen entzieht, der bereitet Täter*innen den Weg – und macht sich mitverantwortlich.
Wir fordern von Politik, Gesellschaft sowie Medien und Berichterstattung:
- eine verbindliche, konsequente und finanziell ausreichend ausgestattete Umsetzung der Istanbul-Konvention
- konsequente gesetzliche Veränderungen – orientiert am Prinzip „Nur Ja heißt Ja“
- die Schließung von Strafbarkeitslücken und eine konsequente Strafverfolgung
- spezialisierte und fortgebildete Strafverfolgungsbehörden, die digitale und sexualisierte Gewalt ernst nehmen
- die Regulierung digitaler Plattformen und wirksamen Schutz vor digitaler Gewalt
- die verbindliche Verankerung geschlechtsspezifischer Gewalt und das Lehren von Sexualstraftaten in der Ausbildung von Jurist*innen
- die Thematisierung und Reflexion von Geschlechterrollen und (sexualisierter) Gewalt in allen Bildungsstätten
- Männer, die Verantwortung übernehmen und Veränderung aktiv mitgestalten
Und vor allem:
- keinen ausschließlichen Fokus auf Strafverschärfungen, sondern eine nachhaltige und ganzheitliche Ursachenbekämpfung
- eine gesicherte Finanzierung feministischer Präventionsarbeit in Kitas, Schulen und der Jugendarbeit
- flächendeckende und verbindliche Schutzkonzepte gegen sexualisierte Gewalt
- die Stärkung spezialisierter Fachberatungsstellen statt deren finanzieller Schwächung
- spezialisierte Angebote für Täter*innen sowie frühzeitige Bildungsarbeit zu Themen wie Anti-Feminismus, Männerbilder und Manosphere
- eine kontinuierliche Präventionsarbeit an Schulen
- Sensibilisierungen und Expertise für die Bedarfe von Betroffenen mit Behinderungen
- solidarische Netzwerke für Betroffene, die Schutz, Glauben und Unterstützung bieten
Petitionen zum Unterzeichnen:
- Nur JA heißt JA – Sexualstrafrecht an internationale Menschenrechtsstandards anpassen: https://innn.it/ja von Lilith Rein und Alina Kuhl.
- In Solidarität mit Collien Fernandes: 10 Forderungen an die Bundesregierung: https://weact.campact.de/petitions/in-solidaritat-mit-collien-fernandes-10-forderungen-an-die-bundesregierung von Kristina Lunz, Düzen Tekkal und Ricarda Lang.
- Petition: Unsere Nudes sind nicht euer Business – Jetzt Profit mit geklauten Nacktbildern stoppen! https://hateaid.org/petition-notyourbusiness/?mtm_campaign=ibsa-notyourbusiness&mtm_kwd=popup von HateAid.
- Sexualisierte KI-Darstellungen von Frauen und Kindern stoppen – jetzt handeln: https://www.change.org/p/sexualisierte-ki-darstellungen-von-frauen-und-kindern-stoppen-jetzt-handeln von Nala Wahle und Nadine Primo.
Stellungnahme zum Fall um Collien Fernandes als PDF herunterladen
Instagram-Kampagne: Good News 2025
Was können wir alle tun, damit Sexismus, Misogynie, Rassismus und Ableismus wirklich keinen Platz mehr in Deutschland haben?
Zeichen setzen durch ein institutionelles Gewaltschutzkonzept
- Leitbild: Klare Positionierung gegen Sexismus, Rassismus, Misogynie und Ableismus – sichtbar und verbindlich für alle nach innen und außen.
- Verhaltenskodex: Integrieren dieser Werte in einen Verhaltenskodex, den alle Mitarbeitenden kennen und leben.
- Selbstverpflichtung: Alle Beteiligten verpflichten sich, aktiv für Diversität, Respekt und Gleichberechtigung einzustehen.
- Fortbildungen und Reflexion: Durch regelmäßige Auseinandersetzung werden Menschen sensibilisiert und erlernen Handlungsstrategien.
- Prävention: Sensibilisierungsmaßnahmen und Aufklärung über strukturelle und kulturelle Diskriminierung und Gewaltformen.
- Beschwerdemanagement: sichere Meldewege, bei denen Betroffene anonym Unterstützung finden und professionelle Ansprechpersonen.
Jede*r kann einen Unterschied machen – lasst uns gemeinsam handeln!
Hier finden sich unsere Fortbildungs- und Coaching-Angebote zu Schutzkonzepten.
Zeichen setzen im Alltag
Einschreiten – aber sicher:
- Wenn jemand etwas Diskriminierendes sagt, ist es wichtig, solche Aussagen nicht unkommentiert stehen zu lassen – denn Schweigen kann als Zustimmung gewertet werden.
Aber: Deine eigene Sicherheit hat Vorrang.
- Bevor du reagierst, frage dich: Fühle ich mich in dieser Situation sicher genug, um etwas zu sagen?
- Kann ich klar und ruhig antworten, ohne mich selbst in Gefahr zu bringen?
Es ist okay, nicht sofort oder direkt zu reagieren, wenn du dich unsicher fühlst.
Tipps, um auf Diskriminierung zu reagieren
- Sich räuspern oder das Gespräch verlassen: Zeigt, dass nicht alle zustimmen – ohne direkt anzugreifen.
- Fakten parat haben: Widerlege das Gesagte mit Wissen.
- Umdeuten: „Wenn das bedeutet, dass …“ – gib der Aussage eine neue Richtung.
- Nicht provozieren lassen: Setze klare Grenzen, ohne dich in Streit verwickeln zu lassen.
Diskriminierung erkennen
Wenn jemand sagt: „Ich bin ja nicht rassistisch, aber …“ oder „Ich habe ja nichts gegen Frauen, aber …“ ist alles, was nach dem „aber“ kommt, in der Regel diskriminierend!
Denn wenn eine Person das vorher betonen muss, weiß diese eigentlich auch, dass der Rest problematisch ist.
Tipp: Du kannst humorvoll reagieren. „Dein Satz hat super angefangen, lass doch alles nach dem „aber“ weg!“
Wusstest du, dass es zwei Arten von Sexismus gibt?
-
Hostiler Sexismus: Offensichtlich feindlich und diskriminierend, oft gegen nicht-traditionelle Frauen* und Mädchen*.
- Benevolenter Sexismus: Oft nicht sofort zu erkennen, da er wohlwollend daher kommt. Beispiel: Männer wollen Frauen doch nur beschützen; Männer meinen es doch nur gut.
Beide Formen schränken die Gleichberechtigung ein!
Unterstützenswerte Initiativen
- Pinkstinks: Protest- und Bildungsorganisation gegen Sexismus und Queerfeindlichkeit.
- Gemeinsam gegen Sexismus: Vom BMFSFJ gefördertes Bündnis mit dem Ziel, Sexismus und sexuelle Belästigung zu erkennen, hinzusehen und wirksame Maßnahmen dagegen zu verankern.
- Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage: Vernetzung von Schulen im Einsatz für die Menschenwürde.
- Angry Cripples: Safe Space von und für Menschen mit Behinderung.
- #AbleismusTötet: Journalistisches Rechercheprojekt zu Gewalt an Menschen mit Behinderungen.
Was können wir alle tun, damit Gewalt und Sexismus in Fußballstadien keinen Platz mehr haben?
- Fast jede vierte Frau hat laut einer Vollbild-Umfrage sexuelle Übergriffe im Stadion erlebt.
- Erfahrungen reichen von anzüglichen Kommentaren und Grabschen bis hin zu extremen Übergriffen wie K.o.-Tropfen oder körperlicher Gewalt.
- Untersuchungen aus England zeigen, dass Fußballergebnisse sogar häusliche Gewalt beeinflussen.
Veränderung ist möglich. Doch es bleibt viel zu tun, um Stadien zu sicheren Orten für alle zu machen.
Anlaufstellen unterstützen:
Nur 23 von 36 Bundesliga-Clubs haben Anlaufstellen für Betroffene. Fordert von Vereinen mehr Einsatz und teilt Informationen zu übergreifenden Hilfsangeboten, wie z. B. www.hilfetelefon.de oder www.ansprechstelle-safe-sport.de
Werdet aktiv in der Fanszene:
In vielen Vereinen gibt es bereits Fanclubs, die sich für ein friedliches Miteinander im Stadion einsetzen.
Engagiert euch bei Fußball gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt:
Das Netzwerk hat es sich zum Ziel gesetzt, lokales und bundesweites Engagement aus Fanszenen, Vereinen und Fanprojekten zu bündeln und miteinander zu vernetzen. Dort wurden bereits diverse Materialien erarbeitet.
Was kannst du tun, wenn du Übergriffe beobachtest?
- Hinschauen: Zeig der betroffenen Person, dass sie nicht allein ist.
- Nachfragen: Frag diskret: „Geht es dir gut? Brauchst du Unterstützung?“
- Position beziehen: Nur, wenn du dich sicher fühlst, kannst du der übergriffigen Person auch direkt etwas entgegensetzen: „Schade, Respekt scheint heute auf der Ersatzbank zu sitzen.“ o. ä.
Weitere interessante Links
Fußball ist für alle da!
Lasst uns gemeinsam daran arbeiten, dass Stadien sichere Orte werden, frei von Gewalt und Diskriminierung.
Was können wir alle tun, damit „Catcalling“ in Deutschland konsequent bestraft wird?
War doch nur Spaß?! Nein! Anzügliches Rufen, Nachpfeifen oder obszöne Witze – kurz: Catcalling – sind keine Komplimente, sondern sexuelle Belästigung. Wenn wir uns ernsthaft gegen sexuelle Gewalt einsetzen wollen, müssen wir bereits hier ansetzen. Klar ist, dass Catcalls ein No-Go sind und das Selbstwertgefühl sowie die (Selbst-)Sicherheit der Betroffenen erheblich einschränken können.
In einigen europäischen Ländern (wie Frankreich, Belgien, Portugal und den Niederlanden) ist verbale sexuelle Belästigung bereits Straftatbestand. Ein Gesetzesentwurf aus Niedersachsen spricht sich dafür aus, Catcalling auch hierzulande unter Strafe zu stellen. Aber noch ist es nicht so weit.
Nun gilt es dran zu bleiben und laut zu werden, damit Catcalling auch in Deutschland strafrechtlich anerkannt wird!
Ganz allgemein
- Kampagnen wie die Plakatkampagne Catcalling is OVER in HannOVER entwickeln
- eine neue Petition wie diese starten: „Es ist 2020. Catcalling sollte strafbar sein.“ Jetzt erst recht!
- Catcalls ankreiden, z. B. über @catcallsofkielcity! Damit kann diese Form der Gewalt öffentlich und sichtbar gemacht werden.
Du bist selbst betroffen von Catcalling:
- Suche Schutz! Bring dich selbst in Sicherheit und setz dich in der Situation nicht zu sehr unter Druck.
Fühl dich nicht verpflichtet, perfekt und durchdacht zu reagieren oder überhaupt reagieren zu müssen. Das Heimwegtelefon bietet dir Unterstützung, wenn du dich auf dem Weg nach Hause unsicher fühlst. - Du hast keine Schuld! Das Verhalten der Tatperson sagt nichts über dich persönlich aus. Die respektlosen und übergriffigen Sprüche zeigen das Fehlverhalten der Person und sie trägt die Verantwortung.
- Hole dir Hilfe! Oft ist es hilfreich über das Erlebte zu sprechen, z. B. mit Freund*innen oder Familie. Oder du kannst dir professionelle Unterstützung suchen – unabhängig davon wie lange der eigentliche Vorfall her ist, z. B. hier: www.hilfetelefon.de.
Du beobachtest Catcalling:
- Hinschauen! Versuche die Situation wahrzunehmen und ernst zu nehmen.
- Laut sein! Du kannst dich bemerkbar machen. So weiß die betroffene Person, dass sie nicht alleine ist. Auch die Tatperson merkt so, dass sie beobachtet wird.
- Hilfe anbieten! Du kannst die betroffene Person ansprechen und Unterstützung anbieten, oder auch umstehende Personen zur Hilfe holen.
Was können wir alle tun, damit Betroffene von sexualisierter Gewalt in ihren Erfahrungen ernst genommen werden?
Mit der richtigen Gesprächsführung können wir einen entscheidenden Unterschied machen!
Das Wichtigste vorweg:
- Gewalterfahrungen sind individuell. Jede*r erlebt und verarbeitet diese anders.
- Sexualisierte Gewalt ist keine Diagnose. Die Begleitumstände und die eigene Bewertung des Erlebten spielen eine zentrale Rolle.
- Glauben schenken hilft Betroffenen enorm bei der Verarbeitung.
Denkt daran: Täter*innen verfolgen oft Strategien, um Betroffene zu isolieren oder sie unglaubwürdig erscheinen zu lassen.
Das erste Gespräch ist für die betroffene Person ein großer Schritt – und gleichzeitig ein Test:
- „Wird mir geglaubt?“
- „Hält die Person aus, was ich erzähle?“
- „Was denkt die Person jetzt über mich?“ – Niemand möchte als „Opfer“ gesehen werden.
Deshalb gilt: Zeit nehmen und immer wieder Gesprächsangebote machen.
„Ich sehe dich, nehme dich ernst und bin für dich da, wenn du es brauchst.“
Bestärken und ermutigen:
- Kein Ausfragen, keine Details „erzwingen“. Stattdessen einladen: „Du darfst mir alles erzählen, was du möchtest.“
- Keine geschlossenen Fragen, welche die Tat vorgeben.
- Keine Fragen nach Widerstand in der Situation – sie werden oft als Schuldvorwurf verstanden.
- Kein offensives Verurteilen des/der Täter*in: Die Bindung zwischen Tätern und Betroffenen kann komplex sein – hier behutsam bleiben.
PETZE-Merksätze für die Gesprächsführung
- Du bist nicht allein.
- Du bist nicht schuld.
- Ich nehme dich ernst und weiß Bescheid.
- Du darfst erzählen, was passiert ist – wann und wie du möchtest.
- Wir suchen gemeinsam einen Weg, damit der Missbrauch aufhört.
- Ich werde nichts ohne dein Wissen tun.
Institutionelle Veränderung mit einem Gewaltschutzkonzept
- Fortbildungen buchen:
Vertieft euer Wissen durch Schulungen zur Gesprächsführung bei Intervention sexualisierter Gewalt. - Interventionspläne entwickeln:
Damit ich weiß, was zu tun ist, wenn ich Gewalt beobachte oder es mir
zugetragen wird. Klare Handlungsanweisungen geben Sicherheit und schaffen Vertrauen.
Unterstützenswerte Kampagnen
- Wir brechen das Schweigen!, eine Mitmachaktion vom BMFSFJ als Zeichen gegen Gewalt an Frauen
- Nicht wegschieben!, eine gemeinsame Initiative des BMFSFJ und der UBSKM zur Prävention sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen, siehe hier auch die Broschüre: „Wie kann ich mit Kindern über sexuelle Gewalt sprechen?“
- One Billion Rising, eine globale Intitiative gegen Gewalt an Frauen und Mächen
- Brandbrief und Petition zur Durchsetzung des Gewalthilfegesetzes
- Briefaktion von Pro Familia zum Gesetzentwurf zur Neuregelung des Schwangerschaftsabbruch: Musterschreiben an Abgeordnete sowie Argumentationshilfen!
Was können wir alle tun, damit körperliche und sexuelle Selbstbestimmung konsequent anerkannt wird?
„Mein Körper gehört mir“ ist einer der wichtigsten Grundsätze, die wir im Alltag mit Kindern und Jugendlichen vermitteln sollten, damit sie lernen können sich gegen sexuelle Gewalt zubehaupten.
Doch es braucht auch einen gesellschaftlichen und politischen Wandel, um diesen Grundsatz Realität werden zu lassen. Vor allem vulnerable Gruppen in unserer Gesellschaft müssen in ihrem Recht auf Selbstbestimmung rechtlich gestärkt werden.
Der Paragraf 218
§218, der nach wie vor Schwangerschaftsabbrüche kriminalisiert, gehört abgeschafft. Hier findest du Möglichkeiten dich für eine Legalisierung einzusetzen: www.wegmit218.de
Die UN-Behindertenrechtskonvention
ist seit dem Jahr 2009 in Deutschland verbindlich. Ziel der UN-Konvention ist es, Menschen mit Behinderung die Teilhabe an allen gesellschaftlichen Prozessen zu garantieren. Doch auch 15 Jahre später werden Menschen mit Behinderungen nicht ausreichend vor Diskriminierung und Ausgrenzung geschützt. Die Forderungen zur Gleichberechtigung wurden aktuell im „Bremer Apell“ erneut bekräftigt.
In diesem Jahr wurde das Selbstbestimmungsgesetz beschlossen.
Damit können trans*, inter* und nicht-binäre Personen (tin*s) ihren Personenstand niedrigschwelliger
ändern lassen. Dies ist als Erfolg zu werten! Nun liegt es an uns die Rechte von tin*s in den Alltag zu tragen und öffentlich zu vertreten. Denn die Diskriminierung endet nicht mit einer Gesetzesänderung. Mehr Infos zu dem Thema findest du unter unserem Post zum Selbstbestimmungsgesetz.
Die Istanbul-Konvention
gilt als völkerrechtlicher Vertrag zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt. Zwar ist dieses Übereinkommen in Deutschland bekräftigt, doch nach wie vor wird nicht genug getan um Gewalt an Frauen zu bekämpfen.
Unterzeichne den Brandbrief an die zuständigen Politiker*innen und die zugehörige Petition, um deine Empörung über diese Zustände öffentlich zu machen!
Kundgebungen
Zwar gibt es Gesetze und Verordnungen. Doch die führen noch nicht dazu, dass alle Menschen in unserer Gesellschaft in ihrem Recht auf Selbstbestimmung anerkannt werden. Wir sollten weiter dafür kämpfen und die Zustände nicht hinnehmen. Lasst uns Missstände anprangern und mit so vielen Leuten wie möglich ins Gespräch kommen.
Es hilft auch laut zu sein und nicht alleine zu bleiben. Deshalb geht zu Kundgebungen, z. B. zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen.
Was können wir alle tun, damit Kinder und Jugendliche im Internet besser geschützt werden?
Freund*innen schreiben und neue Kontakte knüpfen, aktuellen Trends folgen, die eigene Identität herausbilden –
vieles davon findet heute für Jugendliche und auch für immer mehr Kinder in den digitalen Medien statt.
Neben zahlreichen Möglichkeiten bergen digitale Medien aber auch Gefahren für Heranwachsende. Ein einfaches Verbot bringt jedoch nichts, vielmehr sollte ein sicherer Umgang damit gefördert werden.
Was können wir als Eltern, Sorgeberechtigte und Fachkräfte also konkret tun?
- Eine positive Grundhaltung zu Chancen & Gefahren des Internets entwickeln.
- Aufklären über Rechte, z. B. das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung – unabhängig von medialen Rollenbildern.
- Tipps zum Schutz der Privatsphäre und zum Melden von gewaltvollen Inhalten und Grooming geben.
- Sich beständig als Ansprechperson anbieten – auch, wenn z. B. Verbote ignoriert wurden.
- Betroffenen glauben und immer vermitteln: Du bist NICHT schuld!
- Anerkennung im realen Leben, um digitales Bedürfnis nach Bestätigung zu verringern.
- Prävention stärken und Rollenbilder reflektieren.
- Institutionelle Standards: Interventionspläne & Schutzkonzepte für digitale Räume schaffen.
Hilfreiche Angebote für Kinder, Jugendliche, Fachkräfte, Eltern & Sorgeberechtigte:
www.fragzebra.de
Viele Informationen und Tipps für Jugendliche und die Möglichkeit, konkret Fragen zu stellen. Auch Fake News können gemeldet werden.
www.juuuport.de
Viele Informationen und Tipps für Jugendliche. Meldemöglichkeit für Gewalt, gefährliche Challenges, Hass und Hetze.
www.klicksafe.de
Informationen, Tipps, Hilfestellungen und Förderung der Medienkompetenz für Fachkräfte, Eltern und Sorgeberechtigte.
www.schau-hin.info
Ratgeber für Eltern und Sorgeberechtigte.
www.internet-beschwerdestelle.de
www.jugendschutz.net
www.hateaid.org
Weitere Meldestellen für jugendgefährdende Inhalte und Hass im Netz.
FilterCafé Offener Kanal Kiel
Das FilterCafé vom Offenen Kanal Kiel bietet einen großartigen Überblick über die aktuell verfügbaren Programme und Apps sowie deren Funktionalität.
Was können wir alle tun, damit die Prävention sexualisierter Gewalt an Schulen fest etabliert wird?
Wir wissen: Es ist ein großes Ziel. Aber jede*r von uns kann seinen Beitrag leisten, damit dieser Wunsch Wirklichkeit wird. Was braucht es also, damit dieses Thema als fester Bestandteil in den Klassenzimmern landet?
1. Politische Forderungen stellen:
Lasst uns Politiker*innen auf allen Ebenen ansprechen und fordern, dass finanzielle und personelle Ressourcen gestellt und Prävention sexualisierter Gewalt in den Fachanforderungen verankert wird.
2. Forderung nach Zusatzausbildung im Studium:
Die Ausbildung von Lehrkräften ist der Schlüssel, damit Präventionsarbeit nicht nur ein punktuelles Thema bleibt, sondern fest im Schulalltag verankert wird. Aktuell gibt es bereits vielversprechende Ansätze und Projekte, die es gilt, bundesweit auszurollen und in allen Lehramtsstudiengängen zu etablieren:
3. Petitionen erstellen, unterzeichnen und teilen:
Lasst uns das Petitionsrecht nutzen und gemeinsam laut werden!
- Hier eine Petitionsempfehlung zur generellen Bildungswende
- Wie könnte eine Petition zu unserem Thema aussehen? Habt ihr Ideen?
4. Eltern mit ins Boot holen:
Elternvertretungen haben einen starken Einfluss auf Entscheidungen in Schulen und sind wichtige Verbündete, wenn es darum geht, Veränderungen anzustoßen. Wir haben daher einen Brief an Elternvertretungen verfasst, den ihr hier auf unserer Website runterladen könnt.
5. Workshops und Projekte unterstützen:
Informiert euch über Organisationen, die bereits Präventionsprogramme anbieten, und unterstützt sie – durch Spenden, Ehrenamt oder einfach durch Mundpropaganda.
Hier findet ihr unsere Angebote für Schulen.
Habt ihr noch weitere Ideen? Lasst uns gemeinsam daran arbeiten, dass unsere “Good News” von letzter Woche bald zur Realität werden!
Fußnoten:
- DIE ZEIT: Der Fall Jeffrey Epstein
- ARD Kultur / NDR: Rammstein – Was passierte in der Row Zero?
- Deutschlandfunk Kultur: Sexualisierte Gewalt – Gisèle Pelicot veröffentlicht Memoiren
- YouTube-Video
- ARD Mediathek / Verurteilt im Netz: Der Fall Luke Mockridge – #MeToo und die Grenzen der Justiz
- basecamp.digital: Sexismus – Digitaler Hass gegen Frauen und die Reaktion der Politik
- tagesschau.de: Digitale Gewalt gegen Frauen
- BKA: Ergebnisse und Publikationen – LeSuBiA
- RKI: Gesundheitliche Auswirkungen von Gewalt gegen Frauen
- BKA: Bundeslagebild Häusliche Gewalt 2022
- UBSKM: Zahlen zu sexuellem Kindesmissbrauch in Deutschland
- NDR: Familienrecht und häusliche Gewalt – Kein Schutz für Frauen?
- DW: Sexuelle Übergriffe, Gewalt in Partnerschaft, Familie, Netz und Kindheit – LGBTQ+ in Deutschland
- ZDFinfo: Wie sexistisch ist Deutschland?
- Tagesspiegel: Sexualisierte Gewalt – Wenn Politikerinnen Zielscheibe von Hass werden
- tagesschau.de: Femizide in Deutschland
- Stuttgarter Nachrichten: Der Tenor – Die Frauen sind selbst schuld
- BKA: Ergebnisse und Publikationen – LeSuBiA
- Frauenhauskoordinierung: FHK-Fachinformation – Digitale Gewalt in Partnerschaften
- Heinrich-Böll-Stiftung: Autoritäre Dynamiken in unsicheren Zeiten – Leipziger Autoritarismus-Studie 2022
- Amadeu Antonio Stiftung: Frauenhassende Online-Subkulturen
- Deutschlandfunk Kultur: Zeit für Veränderung – Boris von Heesen: „Was Männer kosten“




















