Kiel, 25.3.2026. Der aktuell öffentlich diskutierte Fall um Collien Fernandes macht sichtbar, was Fachstellen seit Jahren benennen: Sexualisierte und digitale Gewalt sind keine Einzelfälle, sondern Ausdruck tief verankerter patriarchaler Machtverhältnisse.

„Uns überrascht dieser Fall nicht. Er steht exemplarisch für eine Realität, die Betroffene täglich erleben – auch hier in Schleswig-Holstein“,

sagt Heike Holz, Geschäftsführerin des PETZE-Instituts für Gewaltprävention.

Der Fall reiht sich ein in eine Vielzahl öffentlich gewordener Fälle sowie in die alltäglichen Erfahrungen von Frauen und Mädchen, die mit sexualisierten Drohungen, digitalen Übergriffen und massiver Täter-Opfer-Umkehr konfrontiert sind. Aussagen wie „Das  können wir uns bei dem gar nicht vorstellen“ oder „Das ist doch nur digital“ tragen dazu bei, Gewalt zu bagatellisieren und Betroffene zu entmutigen.

„Digitale Gewalt wird noch immer verharmlost. Dabei ist sie eine massive Form von Gewalt, die Kontrolle, Demütigung und Entgrenzung verstärkt – und sich potenziell unendlich verbreiten kann“,

so Holz weiter.

Als Fachstelle betont das PETZE-Institut, dass sexualisierte Gewalt kein Randphänomen ist. Sie basiert auf Macht, Besitzansprüchen und struktureller Ungleichheit. Digitale Räume wirken dabei als Verstärker bestehender Gewaltverhältnisse. Häufig stehen  diese Formen in engem Zusammenhang mit Gewalt in partnerschaftlichen Beziehungen. Besonders kritisch sieht das Institut, dass es immer wieder prominente Fälle braucht, um gesellschaftliche Aufmerksamkeit zu erzeugen, während Betroffene im Alltag  weiterhin auf Zweifel, Schweigen und Relativierung stoßen.

„Was wir erleben, ist kein Versagen Einzelner, sondern ein strukturelles Problem. Solange wir patriarchale Machtverhältnisse nicht konsequent hinterfragen, wird sich an der Gewalt nichts ändern“,

betont Holz.

Neben der akuten gesellschaftlichen Debatte weist das PETZE-Institut auch auf langfristige Entwicklungen hin: Ein zunehmender Antifeminismus und rechtspopulistische Diskurse verschärfen die Situation und tragen dazu bei, Gewalt zu normalisieren und Betroffene zusätzlich zu marginalisieren.

Das PETZE-Institut fordert daher:

  • eine konsequente und ausreichend finanzierte Umsetzung der Istanbul-Konvention
  • wirksame Regulierung digitaler Plattformen und besseren Schutz vor digitaler Gewalt
  • spezialisierte und fortgebildete Strafverfolgungsbehörden
  • die Schließung von Strafbarkeitslücken sowie gesetzliche Weiterentwicklungen nach dem Prinzip „Nur Ja heißt Ja“
  • die verbindliche Verankerung des Themas sexualisierte Gewalt in Ausbildung und Bildungssystemen

Darüber hinaus betont das Institut die zentrale Rolle von Prävention:

  • nachhaltige Finanzierung feministischer Präventionsarbeit in Kitas, Schulen und der Jugendarbeit
  • flächendeckende Schutzkonzepte gegen sexualisierte Gewalt
  • Stärkung spezialisierter Fachberatungsstellen
  • frühzeitige Bildungsarbeit zu Geschlechterrollen, Antifeminismus und Gewalt
  • solidarische Unterstützungsstrukturen für Betroffene

„Wer Prävention schwächt und Fachstellen Ressourcen entzieht, bereitet Tätern den Weg. Gewaltprävention ist kein Zusatz – sie ist Voraussetzung für Schutz“,

so Holz. 

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Wir laden Sie herzlich ein, über die aktuellen Entwicklungen im Bereich Schutz vor sexualisierter Gewalt zu berichten. Bitte wenden Sie sich an: petze@petze-kiel.de oder 0431/ 92333.

 

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Über das PETZE-Institut für Gewaltprävention:

Der Schutz von Schutzbedürftigen vor sexuellem Missbrauch und sexualisierter Gewalt ist seit über 30 Jahren zentrales Anliegen des PETZE-Instituts für Gewaltprävention. Dafür bilden wir Erwachsene, die mit Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Schutz-
befohlenen arbeiten, fort – in Kiel, Schleswig-Holstein und darüber hinaus. 

PETZE-Institut für Gewaltprävention gGmbH
Dänische Straße 3–5
24103 Kiel
petze@petze-kiel.de
V. i. S. d. P.: Heike Holz, PETZE-Institut für Gewaltprävention gGmbH, Kiel

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